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Hallo!

Schön, dass Du auf meine Seite gefunden hast!

Hier soll im Folgenden über die Grabungskampagne 2008 auf dem Tell Halaf in Nordsyrien berichtet werden.

Der Tell Halaf ist ein Ruinenhügel nahe der heutigen Türkischen Grenze in der syrischen Gezirah, etwa gelegen zwischen Qamishli und Hassaka. Der Tell liegt etwa drei Kilometer von der Provinzstadt Ras al-Ayn entfernt.

Der Hügel besteht aus Besiedlungsschichten der jungsteinzeitlichen "Tell-Halaf-Kultur" und eisenzeitlichen Schichten. Genauer handelte es sich damals hierbei um die Hauptstadt des aramäischen Stadtstaats Guzana. Neben einem Palast sind hier ein sogennantes "Hilani" und mehrere Grabkultanlagen gefunden worden. Später wurde Guzana von den neuassyrischen Herrschern in Besitz genommen, die hier einen Gouvaneurs-Palast bauten. Auch in den anschließenden Epochen, in parthischer, hellenistischer, seleukidischer und islamischer Zeit war der Ruinenhügel noch bewohnt.

Noch bis in die heutige Zeit ist der Tell Halaf teilweise von Häusern und Bestattungsplätzen des gleichnamigen Dorfes bedeckt.

Anfang des 20. Jahrhunderts erforschte der deutsche Diplomat Friedrich von Oppenheim den Tell Halaf. Für seine grandiosen Funde gründete er in Berlin das "Tell Halaf-Museum", dass im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Seit 2006 wird nun endlich wieder gegraben auf dem Tell Halaf. Beteiligt sind hierbei das Vorderasiatische Museum Berlin, die Universität Tübingen und die Universität Halle.

Ich selbst studiere seit 2004 Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie in Tübingen. Seit 2007 arbeite ich im so genannten Team C unter Mirko Novak bei der Erforschung des neuassyrischen Palastes auf dem Tell Halaf mit.

Im Jahr 2008 werden wir vom 04.08. bis zum 21.10.2008 in Syrien sein.

Im Folgenden möchte ich für meine Freunde und lieben Daheimgebliebenen sowie alle anderen Interessierten darüber berichten, was wir alles erleben: auf dem Tell, in Ras al-Ayn, wo wir wohnen werden, auf unseren weitläufigen Exkursionen, in Aleppo und Damaskus...

 

 

Alter: 36
 



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Ich sag zum Abschied Marsalama…

So, jetzt ist unsere Grabung endgültig rum und ich hab euch so gut wie garnichts erzählt darüber. Wir haben nun seit Anfang August durchgegraben, in zeitweise vier Teams: Das A-Team buddelte wieder am früheisenzeitlichen Tempelpalast und hatte in der zweiten Hälfte der Kampagne, nach dem Ramadan, die unglaubliche Freude, eine kleine Gruft mit einer sehr reich ausgestatteten Mädchenbestattung ausnehmen zu können. Neben unzähligen Karneol- und Fritteperlen kamen dabei auch große Mengen organischer Materialien wie Textilreste, Farbpigmente, ein Körbchen, ein Holzkästchen und Lederreste ans Tageslicht. Organische Erhaltung ist in diesen Breiten extrem selten, daher war auch die Freude und der Arbeitsaufwand sehr hoch. Dadurch wurde an der Gruft praktisch mit drei Frau Stärke zweieinhalb Wochen fast rund um die Uhr gearbeitet. Verständlicherweise lagen die Nerven der Beteiligten blank, gab es ja auch sonst noch einiges zu dokumentieren, unter anderem einen Rundbau unter dem Tempelpalast. Ich denke, uns wurde allen deutlich klar, wie zwiespältig solch ein fantastischer Befund doch ist: einerseits absolut spannend und interessant, andererseits eine unglaubliche Belastung und Arbeitsintensiv. Das B-Team, verantwortlich für die prähistorischen Schichten, buddelte mal wieder fröhlich die Eisenzeit am Halafianer Nordhang ab, erreichte aber immerhin bereits chalkolithische und halafzeitliche Bebauung in größerer Fläche. Auch dort gab es einen Toten; interersanterweise scheint es sich hierbei um einen Traditionalisten gehandelt zu haben. Die Hockerbestattung mit Halafkeramik befand sich in den chalkolithischen, späteren Schichten… Wir im C-Team, die wir uns im neuassyrischen Palast herumtrieben, haben dieses Jahr hauptsächlich Fläche gemacht und bereits bekannte Befunde verfolgt. Wenig spannend, aber dank Unmengen von Gruben arbeitsintensiv. Immerhin konnten wir einige schöne Fußbodeninventare (Wirtschaftsbereich. Galloppierend spannend.) präsentieren, und eine Terrakotta und ein Brösel Tontafel gehören zu unseren Highlightfunden. Die Arbeit unseres syrischen Partnerteams verschweige ich hier einmal einfach unverschämterweise. Vor drei Wochen traf dann Dr. Winfried Orthmann ein, der mal noch kurz zwei Areale eröffnete. In dem einen versuchte er, den Stadttempel zu lokalisieren, wobei einige Mauern und eine Wasserleitung zum Vorschein kamen, in dem anderen wurde die Stadtmauer geschnitten. Der Ramadan, in dem wir zwar immer noch arbeiteten, wenn auch mit verminderter Arbeitskraft, kostete uns doch einiges an Zeit. Er endete Ende September mit dem Id, dem Zuckerfest, dass die syrische Regierung zu unserer Freude bis zwei Tage vor offizielles Grabungsende hin auf sechs Tage verlängerte, so dass wir zwangsweise eine Woche früher als geplant die Grabung draussen einstellten. Seitdem wurde eben fleissig dokumentiert, was in acht Wochen Grabung so angefallen war. Ausserdem versuchten wir uns dieses Jahr das erste Mal an einer Rekonstruktion und bauten eine verstürzte Steintreppe in unserem spätbabylonischen Hof wieder auf. Diesen Donnerstag war dann endgültig Schluss für auch die letzten bei uns beschäftigten Arbeitern, die alle sehr traurig waren darüber. Der Abschluss wurde standesgemäß nach der Auszahlung mit einer Hafla gefeiert, einer Art sehr beschleunigte Party, die etwa eine halbe Stunde dauert, in der man Unmengen zuckersüße Limonade, Gazoz und Baklava konsumiert sowie Dabka tanzt. Das ist ein hier populärer Reihentanz, der körperlichen Kontakt zwischen den Geschlechtern ermöglicht, und bei dem verschiedene Körperteile unabhängig voneinander und gegen den Takt in Zuckungen versetzt werden müssen. Sehr anstrengend. Natürlich wurden auch wir wieder zum Tanzen genötigt. Nachmittags wurde es dann noch anstrengender: Das Kampagnen-Fußballspiel mit unseren Arbeitern stand an. Wir hatten alle viel Spaß und ich kann mit Stolz behaupten, immerhin eine viertel Stunde auf dem Platz ausgeharrt zu haben und dieses Jahr auch nicht ausgelacht worden zu sein, auch wenn ich keinen einzigen Ballkontakt hatte. Aber ich habe immerhin einen der Stürmerstars des A-Teams, Fahat, einige Male von Ballkontakten abgehalten. Hat das A-Team aber auch nicht davon abgehalten, uns beim Elfmeterschiessen abzuzocken. Nun sind endgültig die letzten unserer Tage hier angebrochen und es wird fleissig enddokumentiert und gepackt, soweit der Strom nicht wieder ausgefallen ist, wie jetzt gerade. Mittwoch früh brechen wir gen Aleppo auf und übernachten dort einmal. Donnerstag früh werde ich dann mit Luise noch zu einem Kurztrip durch Westsyrien aufbrechen. Von diesem Trip werde ich dann hoffentlich entweder aus Damaskus oder nach meinem Heimflug am 21. von zuhause aus berichten. Im Uebrigen gibt es auch wieder tolle neue Bilder auf der bekannten Adresse zu sehen, von unserer Tell-Party und dem Fussballspiel!
12.10.08 18:37


Ramadan hallas, alhamdidullah!!!

dem himmel sei dank, der ramadan ist vorbei.

gestern hatte ich einen ewig langen blogeintrag geschrieben, der aber einem serverausfall (danke, myblog...) zum opfer fiel.

heute habe ich ehrlich gesagt keine grosse lust, alles nochmals zu schreiben.

generell laesst sich auch zusammenfassen, dass wir mittlerweile alle sehr geraedert sind und eigentlich nur noch nach hause wollen. der grabungskoller greift um sich, alle sind runter mit den nerven.

statt hier nun also schlechte laune zu verbreiten, moechte ich euch hiermit gerne einige unserer supertollen, netten, lustigen arbeiter vorstellen. ihr koennt sie unter http://s233.photobucket.com/albums/ee30/TheHippieshake/syrien%2008/  kennenlernen. 

ich freue mich immer noch ueber feedback und hoffe, in den naechsten tagen meinen neuen text aus der reihe  syrische phaenomene und andere besonderheiten zum thema syrische schoenheitsideale aus aktuellem anlass nochmals online stellen zu koennen.

4.10.08 19:51


Back to tell...

so, unsere alles andere als erholsame, aber durchaus interessante tuerkei-exkursion ist vorbei und wir sind wieder an der arbeit.

donnerstag nachmittag sind wir 12 mann (und frau) stark gen tell abiad ueber die grenze gebrettert.

und hier ist zeit fuer den ersten teil von syrische phaenomene und andere besonderheiten!

die frist fuer syrische visa kann durch eine aus- und erneute wiedereinreise verlaengert werden. deswegen brettern wir ja immer nach efes-land. jetzt dient der grenzuebergang aber nicht nur unserer freitagsbeschaeftigung (der freitag, der bei uns hier sonntag ist, vor dem samstag, der gefuehlt montag ist...) , sondern auch der unterhaltung der syrischen grenzposten. denn diese lassen sich bei jedem besuch unsererseits ein nettes neues gesetz einfallen. dieses jahr ist es die frist, innerhalb wir unser visum verlaengern lassen muessen. urspruenglich steht auf dem visum, dass das alle 15 tage der fall sei. auf anfrage beim konsulat teilte man uns mit, dass das nicht gaelte, sondern die frist 45 tage betraege. dies bestaetigten uns die granzposten bei unserem ersten tuerkeibesuch in nusaybin, wollten aber gern 500 syrische pfund pro person dafuer haben. bei der ausreise eines teils unseres teams ueber tell abiad erklaerte man, die frist betrage jedoch nur 30 tage. darauf brach eine gewisse panik aus und es wurden individualtrips zur grenzueberquerung organisiert. bei unserem diesmaligen uebergang im zuge der exkursion wurde uns nun aber erklaert, das sei ein irrtum, es gaelten 15 tage. auch wurden wir wieder kassiert. auf unserer rueckreise ueber den grenzposten bab al-hauwa erklaerte man uns wieder, es gaelten 30 tage und verlangte kein geld.

so hat nun also jeder syrische grenzposten seine eigene gesetzgebung, wie es scheint, oder die herren denken sich extra fuer uns immer wieder ein neues gesetz aus. 

 schuchel syrie halt.

jedenfalls reisten wir an unserem ersten tag ueber die granze, was gut einen nachmittag fuellt, und fuhren gen urfa, wo wir in einem schoenen hotel naechtigten. 

abends traf ich mich mit simon, der momentan in goebekli tepe  nahe urfa graebt und wir rauchten gemuetlich eine agile (wasserpfeife) mit louise und brigitte in einem wundervollen cafe hoch ueber dem stadtpanorama der belebten pilgerstaedte am aufstieg zur zitadelle.

am naechsten morgen, nach einer wundervollen nacht in einem echten bett, ging es erst per ueberlandbus nach gaziantep, und von dort per dolmus, dem sammeltaxi, auf besichtigigungstour. diese fuehrte uns zuerst nach zincirli, dem antiken sam al. dies war der erste fundplatz im orient, der von deutschen ergraben wurde und ist sehr bekannt. heute wird der fundplatz allerdings seinem ruf nicht sehr gerecht, auf dem huegel steht ein malerisches kleines dorf und sonst gibt es eigentlich nichts zu sehen. untypischerweise fuer eine tuerkische fundstelle nicht einmal ein erklaerendes schild.

danach ging es nach yesemek, einem hethitischen steinbruch, in dem sehr viele angefangene und nie vollendete bildwerke zu besichtigen sind. interessanterweise scheint damals eine ziemliche kanonisierung in der darstellung geherrscht zu werden. es treten eigentlich nur fuenf oder sechs verschiedene formen auf. da aber so viele davon nicht fertig gestellt worden sind, haben wir darueber spekuliert, dass es sich wohl um eine massenproduktion gehandelt habe, deren produkte fruehzeitig aus der mode kamen.

der waechter der fundstelle lud uns danach noch zu mehreren glaesern frischem ayran ein.

dann ging es weiter nach tilmen hoeyuek. endlich mal richtige architektur!!! steine sind doch viel vernuenftiger als so olle lehmziegel!!! zudem ist die fundstelle toll rekonstruiert und mit infoschildern ausgestattet, und auch die landschaft rundherum ist wundervoll. bei tilmen handelt es sich ebenfalls um eine fundstelle aus der mittleren und spaeten bronzezeit, einem kleinen aramaeischen koenigssitz, aehnlich wie tell halaf in seiner anfangszeit.

schliesslich kamen wir recht spaet in sirkeli an, der zweiten grabung von mirko, unserem chef, wo wir erstmal koestlich gespeist wurden. der abend wurde noch lange, da ich mich freute, mit sven quasseln zu koennen, der spontan dieses jahr doch noch dort graben konnte. 

frueh am naechsten morgen stiefelten wir in einer unglaublich schwuelen luft mit einer geschaetzten luftfeuchtigkeit von 99 % gen tell und besichtigten anderthalb hethitische (ja, schon wieder) reliefs und anderthalb arealschnitte grabung. sirkeli krankt an einer mangelnden finanzierung, weswegen die grabung mit acht arbeitern etwas kleiner ausfaellt.

nach einem spaeten fruehstueck (um sieben zwei kilometer aufn tell rauf, zwei stunde da rum traben und um zehn gabs endlich was zwischen  die zaehne...) stuermten wir weiter auf unserer strecke.

als weiterer besichtigungspunkt stand karatepe auf dem plan. ein, wer haette das gedacht, hethitisch-aramaeischer fuerstensitz im wunderschoenen nichts, ausgestattet mit einem netten museum und zweier torwangen voller schraeger reliefs.

abends erreichten wir dann antakya, das antike antiochia, das heute einfach nur noch haesslich und unansehlich ist. da auch noch samstag abend war, was in der tuerkei wirklich samstag abend bedeutet, im gegensatz zu syrien, war natuerlich alles zu, und so ging es frueh schlafen. 

am naechsten morgen besichtigten wir das oertliche museum, dass einiges an kruden spaetantiken reliefs und eine fuerchterliche praehistorische sammlung fuer stolze vier euro eintritt zu bieten hatte. 

anschliessend ging es gen grenze. auf dem weg dorthin machten wir noch einen kurzen stop beim tell von alallach, ebenfalls sehr bekannt und, wer haette es gedacht, aramaeisch-hethitischer fuerstensitz mit dem beruehmten jarimlimpalast.

hier war die groesste attraktion jedoch der knuffige zukuenftige grabungswachhund.

nach der bekannten grenzzeremonie, einem kurzen zwischenessensstop (20 minuten...) und fuenf stunden fahrt waren wir dann endlich wieder bei unserem stinketell angelangt und seit gestern wird dann endlich auch wieder gebuddelt, alhamdidullah (so in etwa gott sei dank).

vor der exkursion hatten wir noch ein nettes bergfest, das die mitte unserer kampagne darstellte, in unserer schoenen neuen mastauda, unserem keramikschuppen.

nun buddeln wir uns also noch vier wochen durch muell und dreck, davon noch zwei mit halbem tempo, da ramadan, und dann geht es fuer mich und luise noch gen damaskus.

mein arm ist wieder soweit ok, und ich daarf endlich auch wieder draussen mitarbeiten. sonst ist es eher zaeh und langweilig, und ich habe das erste mal in meinem leben heimweh. 

die tage werden kuerzer und die tage komprimierter, ab samstag ist arbeitsbeginn um sechs und ende um achtzehn uhr, die mittagspause schrumpft auf eine stunde, und es scheint, dass es bald noetig wird, auch die wochenenden wegzukuerzen. 

unsere qatna-tour dieses wochenende haben wir auch komplett gecanzelt.

aber hey, freizeit wird ueberschaetzt, und schlafen koennen wir noch, wenn wir magistriert und arbeitslos sind. 

in diesem sinne, bis bald, inshalla!!!

PS: nachdem es immer noch probleme beim abrufen der bilder gibt, habe ich sie nochmals hochgeladen. anzuschauen sind sie nun auf http://s233.photobucket.com/albums/ee30/TheHippieshake/syrien%2008/ 

(Achtung, bitte wieder in die adresszeile kopieren, verlinken laesst sich hier immer noch nichts...)

16.9.08 18:02


und taeglich gruesst der bombenschlag...

es ist ramadan, und das merkt man. jeden morgen und abend hat man einmal das gefuehl, es waere krieg. es blitzt, es donnert, und die strassen sind leer. nachdem ich vorgestern in hassaka, der naechsten grossen stadt hier, war, und dort in einer privatklinik von einem arzt, der nicht nur in deutschland studiert hat und fliessend deutsch sprach, sondern auch aussah, als sei er aus einer 70erjahre krankenhausserie entlaufen, eine riesige spritze betaeubungsmittel direkt in meine versteifte und entzuendete schultersehne gespritzt bekommen habe, gehts wieder aufwaerts. die letzte zeit lag ich nur im haus, ergo war mein leben nicht sonderlich aufregend. jetzt geht es wieder aufwaerts und ich informiere euch kurz und knapp ueber die ereignisse der letzten und naechsten zeit, bevor ich dann naechste woche hoffentlich wieder ganz gesundet zu den ueblichen erguessen uebergehen kann. wir haben erste tontafelfragmente gefunden. das ist eigentlich toll, aber sofort brach ein gerangel von seiten des syrischen teams aus, die die tafeln fuer sich behalten wollten. wir sind fast auf der haelfte der kamagne angelangt, ein grosser teil des teams liegt mit verschiedenen auas flach und der grabungskoller greift um sich. mittwoch ist bergfest. das bedeutet, dass die haelfte geschafft ist. dazu werden wir in unserer neuen mistauda, unserem tellhaus, indem die keramik bearbeitet wird, eine art schuppen, eine kleine party veranstalten. donnerstag fahren wir dann auf grosse exkursion. dieses jahr splittet sich unsere sehr grosse gruppe ein wenig auf, ich fahre mit elf weiteren leuten in die gute alte tuerkei. wir werden nach urfa fahren, wo ich mich, inshalla, mit simon treffen werde, der auf dem goebekli tepe graebt. dann fahren wir nach sirkeli bei adana. auf dem weg dorthin wollen wir einige tells besichtigen, unter anderem auch zincirli/sam al. sirkeli ist das zweite grabungsprojekt meines chefs, mirko. dort werde ich ausserdem sven treffen, der dort dieses jahr auch im team ist. am dritten tag werden wir ueber alallach nach antakya fahren und sonntag ueber bab al haula wieder zurueck nach syrien einreisen. ich freue mich jetzt schon sehr, endlich mal wieder hier weg zu kommen und zivilisationsluft zu schnuppern. nach der exkursion darf ich dann auch endlich wieder offiziell auf den tell, um dort zu arbeiten. ich war jetzt bereits seit fast zehn tagen nicht mehr dort!!! kann man kaum glaube, aber ich vermisse den stinker... die naechsten tage moechte ich eine neue kategorie hier einrichten, in denen ich euch gerne einige besonderheiten der syrischen kultur naeherbringen moechte, ohne dass dabei ein bierernst herrschen soll. ihr duerft gespannt sein! anscheinend gibt es immer noch diverse probleme beim oeffnen des fotoalbums. dies scheint aber pc-abhaengig zu sein. daher moechte ich nun etwas neues probieren: die bilder sind immer noch an der alten stelle sichtbar, allerdings jetzt mit einem kennwort geschuetzt. es lautet sinnvollerweise halaf. ich hoffe, dass nun alle auf das fotoalbum zugreifen koennen und freue mich weiterhin ueber eure eintraege und kommentare. ich liefere auch bald neue bilder, versprochen!!! eure nici
8.9.08 20:07


Nur kurz heute...

...da ich eine schlimme sehnenscheidenentzuendung im rechten arm habe, und deswegen nicht wirklich gut schreiben kann. 

eventuell muss ich sogar deswegen abbrechen und heimfliegen, da ich seit einer woche nicht mehr arbeiten kann. 

zudem habe ich von den schmerzmitteln diverse infektionen bekommen, und bin jetzt gerade in behandlung. mir geht es auch schon wieder besser. morgen werde ich nach hasseke  zu einem arzt fahren, der in deutschland studiert hat und deutsch spricht, damit wir mal in erfahrung bringen koennen, ob es eine chance gibt, dass ich hier noch etwas arbeiten kann.

scheinbar gab es einige probleme beim oeffnen des fotoalbums, deswegen nochmal kurz eine anleitung:

also, die zeile (fotos.web.de...ect.) kopieren und in die eingabezeile einfuegen, dann muesstet ihr ohne umwege auf mein fotoalbum kommen, und es sollte auch nicht passwortgeschuetzt sein.

leider kann ich hier nichts direkt verlinken, sorry.

nach qatna konnten wir nicht fahren, da das team dort selbst auf exkursion war. sollte ich hierbleiben koennen, werden wir vielleicht in zwei wochen hinfahren.

es ist ramadan, kaum etwas funktioniert, wir haben nur noch weniger als die haelfte aller arbeiter. das land ist lahmgelegt.

trotzdem koennen wir erfolge verbuchen, letzte woche wurden in zwei grabungsarealen tontafelfragmente gefunden. 

 

so, aufgrund meines armes war es das auch schon wieder,

vielleicht die tage mehr. macht euch keine sorgen.

nici aka agatha, aka die grosse sitzende vom tell halaf

5.9.08 19:17


Kurzer Nachtrag...

...Bilder koennen ab sofort unter fotos.web.de/thehippiehshake/Syrien_08 angesehen werden!
29.8.08 18:40


Smell the Tell...


Und wieder ist eine Woche rum.

Und diesesmal gibt es auch mehr zu erzaehlen.

Inzwischen hab ich mich ein wenig abgeregt, der Alltag ist wieder eingekehrt. Daher kann ich jetzt auch berichten, was mich letzte Woche so auf die Palme gebracht hatte.

Wir haben dieses Jahr eine Studentin, die sich vorn und hinten an keine Regel dieses Landes halten moechte, obwohl sie es hier ja sooooo toll findet. Ich denke, sie hat ein wenig zuviel Tausendundeine Nacht gelesen...

Urspruenglich wohnte die Dame bei uns im Studentenhaus. Dieses liegt in einem sozial eher schwachen Viertel, weswegen wir dort bereits letztes Jahr ein wenig Probleme mit den Anwohnern hatten, es kam zu diversen Belaestigungsfaellen.  Daher wollten wir gerne jegliche Art von inkorrektem Verhalten unserererseits unterbinden. Trotz mehrmaliger Aufforderung war besagte Dame allerdings beratungsresistent. Sie lief in Unterwaesche durch den Hof, der von den umliegenden Daechern einsehbar ist, sprach auf der Strasse mit fremden Maennern und aehnliches. Das fuehrte unter andere, dazu, dass staendig Maenner bei uns klingelten und nach ihr fragten und dass es auch wieder zu Begrapschungen einger Maedels auf offener Strasse kam. Nach anderthalb Wochen reagierten unsere Grabungsleiter darauf, indem sie sie ins Kuechenhaus, in dem sie selbst wohnen, umquartierten. Zu dieser Zeit war ich gerade krank und bekam daher von der ganzen Aktion wenig mit, allerdings wurde ich von der Gnaedigen fuer ihren Umzug verantwortlich gemacht, und sie begann, schlecht Wetter gegen mich zu machen. Und zwar nicht nur unter den Teammitgliedern, sondern auch unter unseren Arbeitern. Sie ist naemlich auch Teil unseres C-Teams auf dem Tell gewesen.

Doch auch dort tat sie sich nicht gerade positiv hervor. Sie arbeitete nicht, stattdessen legte sie die komplette Arbeit der ihr unterstellten Schnitte lahm, indem sie die zumeist jungen, maennlichen Arbeiter lieber umterhielt. Das sah so aus: Sie trug grundsaetzlich sehr offenherzige Kleidung, Spaghettitraeger, Hosen, die kurz unter dem Knie endeten, durchsichtige Kleidung, deutlich sichtbare Unterwaesche, knalleng. DAzu war sie immer stark geschminkt und parfuemiert. Einige unserer Jungs wurden grundsaetzlich von ihr mit Habibi, Liebling, angesprochen, und staendig flirtete sie mit ihnen, begrapschte sie, tanzte ihnen Bauchtanz vor, sang mit ihnen Liebeslieder. Brigitte, mit der sie eigentlich zusammenarbeiten sollte, war zu diesem Zeitpunkt krank, so dass alle Dokuarbeit an Katharina und mir haengenblieb. Zudem begann sie dann, einen der Jungs, Abud, staendig vor den anderen hervorzuheben und ihn zu bevorzugen. Sie fuetterte ihn mit Schokolade und brachte ihm kleine Geschenke. 

Abuds Schwestern und Cousinen, die auch bei uns arbeiten, und selbst sein Kumpel Chalil, der dieses Jahr leider im syrischen Team arbeitet, kamen zu mir, um mich zu warnen. Sie fragten mich, ob die Dame denn spinnen wuerde, und warnten, dass der syrische Geheimdienst ein Auge auf die beiden haette, und dass das boese Folgen fuer Abud haben koennte.

Schliesslich sahen Brigitte und ich uns gezwungen, zu intervenieren. Wir machten Stunk bei unserem Chef und sprachen auch mit dessen Frau Gabi, die dann schliesslich, nachdem sie sich bei der ersten Auszahlung der Arbeiter, die jeden zweiten Donnerstag auf dem Tell von ihr vorgenommen wird, selbst ein Bild vom Benehmen unserer (Nicht-)Mitarbeiterin machen konnte. 

Schlussendlich  wurde sie schliesslich aus unserem Team abgezogen und tauschte mit Anna den Platz, die bis dahin Keramik kodierte. Nun arbeitet sie in unserer Mistauda, einer Art Schuppen, in der die Keramik vom Tell gewaschen und codiert wird.

So ganz ist die Geschichte jedoch nicht gegessen: Besonders Abud, aber auch einige andere der Jungs unseres Teams nutzen jede Moeglichkeit, in die Mistauda zu entwischen, und besonders das Geschaekere mit Abud hat sich inzwischen zu einer leicht tragischen Romeo-und-Julia-Geschichte entwickelt.

Soviel dazu.

Natuerlich geht auch sonst das Leben weiter.

LEtzten Freitag machten wir unseren ersten Ausflug ueber die tuerkische Grenze zur Verlaengerung unseres Visums. Dieses Mal beschraenkten wir uns nicht nur auf ein gutes Mittagsessen und Efes-Besorgungen, sondern besichtigten zudem eine tuerkische Grabung in Nusaybin in einer byzantinischen Kirche.

Als wir wieder nach Syrien einreisen wollten, kamen wir fast nicht mehr ueber die Grenze, da es einen Computerausfall gegeben hatte (auf tuerkischer Seite, die syrischen Beamten haben nur bessere Schreibmaschinen), so dass wir beinahe in der Tuerkei uebernachten muessen haetten. Die Trauer haette sich in Grenzen gehalten.

Sonntag mussten wir die Arbeiten aufgrund von schlechtem Wetter abbrechen. Schon seit Tagen herrschte starker Wind, der sich Sonntag Morgen zu einem ausgewachsenen Sandsturm entwickelte. Mir brockte die Sache neben einem freien Vormittag auch eine Bindehautentzuendung ein. 

Auf der Grabung geht es mittlerweile gut vorwaerts. In vier unserer Schnitte haben wir bereits den Abschluss erreicht. Das heisst, wir haben die Schichten, die wir erreichen wollten, bereits ergraben und die Befunde, Mauern und Fussboeden sowie die Vortsetzung einer Treppe und eines Steinweges, praepariert. 

Auch die Fundlage ist guenstig. In Brigittes Schnitten kamen bisher drei spaetantike Graeber ans Tageslicht, die neben reichhaltigem Perlenschmuck auch zwei Siegelringe und zwei Skarabaen mit Pseudo-Hyroglyphen enthielten. Auch in unseren Schnitten fand sich eine Bestattung mit einer kleinen Votivfrauenfigur.

Gestern fand sich zudem in einer Grube eine Terrakotta-Figurine mit antiken Bruechen, die eine intentionelle Zerstoerung und Deponierung nahelegen.

Heute waren wir nun auf einem kurzem Besuch in Tell Chuera. Ich habe mich allerdings bei der Tellfuehrung enthalten und lieber eine Runde mit meiner Kollegin vom letzten Jahr, Olesia, geplaudert.

Die naechsten drei Tage wird der Ramadan beginnen. Wie wir dann weiterarbeiten werden, ist noch nicht ganz geklaert. Der Ramadan dauert einen Mondmonat, danach wollen wir noch eine Woche graben. Im Ramadan wird hauptsaechlich dokumentiert werden, wir wollen aber aufgrund von Platz- und Rechnermangel trotzdem mit verringertem Aufwand auf dem Tell weiterarbeiten. Dazu wird es wohl sogenannte Kubale-Aktionen geben.

Normalerweise wird Kubale bei der Bewegung grosser ERdmengen, die keine oder kaum Befunde erwarten lassen, wie Schuttschichten, als eine Art Akkordarbeit eingesetzt. DAzu handelt man mit den Arbeitern ein Arbeitsziel aus, und wenn dieses erreicht ist, duerfen sie Feierabend machen, werden aber den restlichen Tag noch bezahlt.

Im Ramadan wollen wir das ahenlich handhaben, so koennen sich unsere Arbeiter die Arbeit selbst einteilen, und wir muessen nicht die  gemeinen Sklaventreiber spielen.

Naechsten Donnerstag und Freitag wollen wir wahrscheinlich in einer kleineren Gruppe einen Blitzbesuch in Qatna, wo ebenfalls von Tuebingen aus gegraben wird, machen. Da es gilt, eine ziemlich grosse Strecke zu bewaeltigen, werden wir zwei volle Tage unterwegs sein, so dass ich nicht weiss, wann ich mich das naechte Mal melden kann. 

Auch ein technisches Problem habe ich: die Speicherkapazitaet sowohl des Blogs als auch der Rechner im oertlichen Internetcafe ist sehr begrenzt. Daher hat es sich als unpraktikabel erwiesen, hier Bilder online zu stellen.

Ich werde nun versuchen, ausgewaehlte Bilder in ein online-Fotoalbum zu stellen und hier einen Link dazu einzubinden, wenn ich etwas neues hinzugefuegt habe.

Das war es erstmal von mir hier im heissen, staubingen endzeitlichen Ras al-Ain.

Mehr davon, wenn wir uns wieder sehn. Ihr muesst unbedingt gucken, wies weiter geht.

29.8.08 18:09


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