Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/seangan

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Es geht los!!!

So.

Wir sind alle in den letzten Vorbereitungen.

Montag den 04.08. geht es los.

 

Wir starten 17:30 Uhr in Stuttgart und werden, nach einem Zwischenstopp in Istambul, um 1:30 Uhr in Aleppo landen. Dann geht es nach Ras al-Ayn, das sind so vier bis fünf Stunden Fahrt. Demnach werden wir irgendwann im Laufe des Dienstag morgen ankommen.

Ich kann daher noch nicht versprechen, bis wann ich mich das nächste Mal dann melden kann.

 

Bis bald!

2.8.08 02:43


Angekommen...

Wir sind Dienstag am fruehen Morgen endlich wohlbehalten in Aleppo gelandet und gleich weiter nach Ras al-Ayn geduest, wo wir morgens um acht ankamen.

Es ist wie gehabt sehr heiss, jedoch trotz aller Berichte von Wassermangel in diesem Jahr recht gruen.

Nachdem wir uns leidlich eingerichtet und aklimatisiert hatten, waren wir gestern zum ersten Mal den ganzen Tag zum arbeiten auf unserem wundervollen Stinketell.

Natuerlich arbeiten und wohnen wir auch dieses Jahr mit einem ganzen Schwung syrischer Studenten zusammen, und wir Studenten-Maedchen wohnen wieder in unserem gewohnten Haus von letztem Jahr, das inzwischen mit wundervollen, pastellrosa Stuckdecken versehen ist. Ich fuehle mich, als waere ich nie hier weg gewesen.

Heute ist der erste Jumma unserer Kamapgne, sprich, es ist Freitag und wir haben frei. Heute morgen gab es das erste Kalam, die Besprechung, dann sind wir zum Mittagessen alle gemeinsam ins Syrup, Ras al-Ayns einzigem Restaurant. Dies liegt an einer Quelle und die Tische stehen in Becken, durch die Wasser flutet. REcht angenehm bei diesen Temperaturen.

Leider gab es da auch gleich den ersten Schwerverletzten: Janko, der kleine Sohn von den Novaks, rutschte aus und schlug sich den Kopf an. Er musste im Krankenhaus genaeht werden.

Allzu viel gibt es, wie ihr seht, noch nicht zu erzaehlen, und ich habe bisher auch noch kein einziges Bild geschossen.

Ich wuerde mich sehr freuen, wenn mir der eine oder andere einen Kommentar hinterlaesst, da ich auf den Blog besser zurueckgreifen kann als im letzten Jahr.

Auf eine gute Kampagne, Inshallah!!!

8.8.08 16:16


Es ist viel passiert...


Hallo miteinander!

Die erste komplette Arbeitswoche ist nun rum, und es ist viel passiert.

Wir arbeiten mittlerweile jeden Tag auf dem Tell, und es zeichnet sich eine stressige Kampagne ab.

Mirko, mein Teamleiter, will unheimlich viel wegarbeiten, bevor in etwas mehr als zwei Wochen der Ramadan anfaengt und wir zur Arbeit im Haus genoetigt sind. Ergo heisst es ranklotzen. 

Wir haben unser Team dieses Mal gesplittet. Brigitte betreut mit der Slowenin Maria die eine Haelfte, ich zusammen mit Katharina aus Muenchen die andere Haelfte unserer Schnitte. Zudem hat der syrische Teil unseres Teams einen eigenen Schnitt. 

Mit Katharina als Kollegin habe ich viel Glueck, wir verstehen uns prima und sie lernt sehr schnell, so dass sie beinahe bereits voll einsatzfaehig ist.

Mit Maria sieht das leider etwas anders aus, und auch generell gibt es mit ihr einige Probleme, da wir mit ihr mal wieder ein Maedel im Team haben, dass sich an die noetigen Regeln beim Leben hier nicht haellt. 

Zudem wurden natuerlich auch unsere Arbeiter aufgesplittet, so dass ich garnicht mit den Leuten, auf die ich mich gefreut habe, zusammenarbeiten kann. Natuerlich sehe ich sie trotzdem (Gerlinde, dein Bruederchen ist immer noch schier untroestlich! Generell wirst Du doch sehr vermisst!!!)

Dafuer koennen wir bereits jetzt schon einiges an Ergebnissen vorweisen. Unter anderem konnten wir eine Treppe, die bereits seit 2006 bekannt ist, im Palast nachverfolgen und fanden an deren Fuss eine Hockerbestattung mit einer klitzekleinen Frauenfigurine als Beigabe.

Alles in allem ist alles sehr stressig, ich werde also in naechster Zeit demanch auch wirklich nur einmal die Woche, an Yumma, also Freitag, dazu kommen, mich zu melden. Ich hoffe, dass es ab anfang des Ramadan erstmal wieder ein wenig ruhiger wird.

Auch unsere Krankenliste wird immer laenger: Ela hat eine Glasplatte auf den Fuss bekommen und die ersten Opfer des hiesigen Essens sind auch zu beklagen, momentan liegen Christine und Joerg komplett flach, waehrend sich einige andere noch durchkaempfen. Ich bin bisher erstmal noch verschohnt geblieben, toitoitoi.

Natuerlich arbeiten wir nicht nur. Zumindest ein klitzeklein wenig anderes gibt es schon zu berichten.

Letzte Woche hat es doch tatsaechlich mal geregnet!!! So richtig!!! Dabei hatte es davor das ganze Jahr noch garnicht geregnet, und ein Sprichwort sagt: Das ist so unwahrscheinlich wie Regen im August in der Gezirah.

Generell spinnt das Wetter ein wenig. Wir hatten die Tage fuer hiesige Verhaeltnisse regelrecht einen Kaelteeinbruch. Natuerlich war es tagsueber trotzdem recht heiss, aber nachts war es so kalt wie letztes Jahr Ende September, und morgens brauchten wir eine Jacke auf dem Tell.

Gestern Abend waren wir auf eine Beduinen-, oder vielmehr Schaui (so heisst die Gruppierung, zu der unsere Arbeiter gehoeren), eingeladen. Durchaus mal ein interessantes Erlebnis, allerdings nicht allzu spannend. Zu essen gibt es nichts, das Brautpaar bekommt man nicht zu sehen und alle anderen tanzen Stundenlang stoisch Dabka im Kreis. Ergo sind wir nach etwa einer halben Stunde, als wir dem Protokoll genuegend Ehre erwiesen hatten, wieder abgedampft.

Bilder davon wird es hoffentlich naechste Woche geben.

Zeitgleich startete in unserem Wohnhaus eine von den verbliebenen Studenten iniziierte Party, deren wir uns dann noch anschlossen. Es gab Wassermelone mit Wodka. Hoellisch. 

Heute war also wieder Yumma und damit Ausflug angesetzt. Ich hoffe, jetzt wird keiner panisch: Wir waren heute in Ain Diwar, dem Grenzdreieck am Tigris, das durch Syrien, die Tuerkei und dem Irak gebildet wurde. Ausser dem Tigris und einem roemischen Brueckenbogen gab es allerdings fuer sechs Stunden Fahrt ein wenig wenig zu sehen. Aber immerhin kann ich jetzt sagen, ich hatte mal meine Finger im Tigris.

Noch etwas interessantes gibt es:

Ich bin momentan hier die Einzige, die sich einigermassen mit unserer Total Station (das ist ein Vermessungsgeraet, liebe Nicht-Archaeologen) auskennt und ergo fuer das Messen zustaendig auf dem Tell, bis morgen Anne, die Architektin, ankommt. 

Nun hat mir Mittwoch mittag jemand bei der Einweisung auch bei der fuenften Erklaerung nicht  zugehoert und das gute Stueck trotz Feststellmechanismus, in der Gegend herumgedreht. Jetzt ist es erstmal hin.

Daher werde ich morgen mit unseren syrischen Kollegen Mohammed und Samer nach Aleppo fahren, um herauszufinden, ob man es dort reparieren kann. 

Soweit erstmal die fuer die restliche Welt wahrscheinlich nicht sooooo spannenden Nachrichten von hier.

Ich wuerde mich uebrigens durchaus ueber Nachrichten von Zuhause freuen, entweder per Mail auf meine web.de Adresse oder hier im Gaestebuch!!!

Alles in allem hat mich jedenfall trotz allem vorhergegangenen Geunke das Halaf-Fieber wieder.

Eure Nici

15.8.08 19:28


Smell the Tell...


Und wieder ist eine Woche rum.

Und diesesmal gibt es auch mehr zu erzaehlen.

Inzwischen hab ich mich ein wenig abgeregt, der Alltag ist wieder eingekehrt. Daher kann ich jetzt auch berichten, was mich letzte Woche so auf die Palme gebracht hatte.

Wir haben dieses Jahr eine Studentin, die sich vorn und hinten an keine Regel dieses Landes halten moechte, obwohl sie es hier ja sooooo toll findet. Ich denke, sie hat ein wenig zuviel Tausendundeine Nacht gelesen...

Urspruenglich wohnte die Dame bei uns im Studentenhaus. Dieses liegt in einem sozial eher schwachen Viertel, weswegen wir dort bereits letztes Jahr ein wenig Probleme mit den Anwohnern hatten, es kam zu diversen Belaestigungsfaellen.  Daher wollten wir gerne jegliche Art von inkorrektem Verhalten unserererseits unterbinden. Trotz mehrmaliger Aufforderung war besagte Dame allerdings beratungsresistent. Sie lief in Unterwaesche durch den Hof, der von den umliegenden Daechern einsehbar ist, sprach auf der Strasse mit fremden Maennern und aehnliches. Das fuehrte unter andere, dazu, dass staendig Maenner bei uns klingelten und nach ihr fragten und dass es auch wieder zu Begrapschungen einger Maedels auf offener Strasse kam. Nach anderthalb Wochen reagierten unsere Grabungsleiter darauf, indem sie sie ins Kuechenhaus, in dem sie selbst wohnen, umquartierten. Zu dieser Zeit war ich gerade krank und bekam daher von der ganzen Aktion wenig mit, allerdings wurde ich von der Gnaedigen fuer ihren Umzug verantwortlich gemacht, und sie begann, schlecht Wetter gegen mich zu machen. Und zwar nicht nur unter den Teammitgliedern, sondern auch unter unseren Arbeitern. Sie ist naemlich auch Teil unseres C-Teams auf dem Tell gewesen.

Doch auch dort tat sie sich nicht gerade positiv hervor. Sie arbeitete nicht, stattdessen legte sie die komplette Arbeit der ihr unterstellten Schnitte lahm, indem sie die zumeist jungen, maennlichen Arbeiter lieber umterhielt. Das sah so aus: Sie trug grundsaetzlich sehr offenherzige Kleidung, Spaghettitraeger, Hosen, die kurz unter dem Knie endeten, durchsichtige Kleidung, deutlich sichtbare Unterwaesche, knalleng. DAzu war sie immer stark geschminkt und parfuemiert. Einige unserer Jungs wurden grundsaetzlich von ihr mit Habibi, Liebling, angesprochen, und staendig flirtete sie mit ihnen, begrapschte sie, tanzte ihnen Bauchtanz vor, sang mit ihnen Liebeslieder. Brigitte, mit der sie eigentlich zusammenarbeiten sollte, war zu diesem Zeitpunkt krank, so dass alle Dokuarbeit an Katharina und mir haengenblieb. Zudem begann sie dann, einen der Jungs, Abud, staendig vor den anderen hervorzuheben und ihn zu bevorzugen. Sie fuetterte ihn mit Schokolade und brachte ihm kleine Geschenke. 

Abuds Schwestern und Cousinen, die auch bei uns arbeiten, und selbst sein Kumpel Chalil, der dieses Jahr leider im syrischen Team arbeitet, kamen zu mir, um mich zu warnen. Sie fragten mich, ob die Dame denn spinnen wuerde, und warnten, dass der syrische Geheimdienst ein Auge auf die beiden haette, und dass das boese Folgen fuer Abud haben koennte.

Schliesslich sahen Brigitte und ich uns gezwungen, zu intervenieren. Wir machten Stunk bei unserem Chef und sprachen auch mit dessen Frau Gabi, die dann schliesslich, nachdem sie sich bei der ersten Auszahlung der Arbeiter, die jeden zweiten Donnerstag auf dem Tell von ihr vorgenommen wird, selbst ein Bild vom Benehmen unserer (Nicht-)Mitarbeiterin machen konnte. 

Schlussendlich  wurde sie schliesslich aus unserem Team abgezogen und tauschte mit Anna den Platz, die bis dahin Keramik kodierte. Nun arbeitet sie in unserer Mistauda, einer Art Schuppen, in der die Keramik vom Tell gewaschen und codiert wird.

So ganz ist die Geschichte jedoch nicht gegessen: Besonders Abud, aber auch einige andere der Jungs unseres Teams nutzen jede Moeglichkeit, in die Mistauda zu entwischen, und besonders das Geschaekere mit Abud hat sich inzwischen zu einer leicht tragischen Romeo-und-Julia-Geschichte entwickelt.

Soviel dazu.

Natuerlich geht auch sonst das Leben weiter.

LEtzten Freitag machten wir unseren ersten Ausflug ueber die tuerkische Grenze zur Verlaengerung unseres Visums. Dieses Mal beschraenkten wir uns nicht nur auf ein gutes Mittagsessen und Efes-Besorgungen, sondern besichtigten zudem eine tuerkische Grabung in Nusaybin in einer byzantinischen Kirche.

Als wir wieder nach Syrien einreisen wollten, kamen wir fast nicht mehr ueber die Grenze, da es einen Computerausfall gegeben hatte (auf tuerkischer Seite, die syrischen Beamten haben nur bessere Schreibmaschinen), so dass wir beinahe in der Tuerkei uebernachten muessen haetten. Die Trauer haette sich in Grenzen gehalten.

Sonntag mussten wir die Arbeiten aufgrund von schlechtem Wetter abbrechen. Schon seit Tagen herrschte starker Wind, der sich Sonntag Morgen zu einem ausgewachsenen Sandsturm entwickelte. Mir brockte die Sache neben einem freien Vormittag auch eine Bindehautentzuendung ein. 

Auf der Grabung geht es mittlerweile gut vorwaerts. In vier unserer Schnitte haben wir bereits den Abschluss erreicht. Das heisst, wir haben die Schichten, die wir erreichen wollten, bereits ergraben und die Befunde, Mauern und Fussboeden sowie die Vortsetzung einer Treppe und eines Steinweges, praepariert. 

Auch die Fundlage ist guenstig. In Brigittes Schnitten kamen bisher drei spaetantike Graeber ans Tageslicht, die neben reichhaltigem Perlenschmuck auch zwei Siegelringe und zwei Skarabaen mit Pseudo-Hyroglyphen enthielten. Auch in unseren Schnitten fand sich eine Bestattung mit einer kleinen Votivfrauenfigur.

Gestern fand sich zudem in einer Grube eine Terrakotta-Figurine mit antiken Bruechen, die eine intentionelle Zerstoerung und Deponierung nahelegen.

Heute waren wir nun auf einem kurzem Besuch in Tell Chuera. Ich habe mich allerdings bei der Tellfuehrung enthalten und lieber eine Runde mit meiner Kollegin vom letzten Jahr, Olesia, geplaudert.

Die naechsten drei Tage wird der Ramadan beginnen. Wie wir dann weiterarbeiten werden, ist noch nicht ganz geklaert. Der Ramadan dauert einen Mondmonat, danach wollen wir noch eine Woche graben. Im Ramadan wird hauptsaechlich dokumentiert werden, wir wollen aber aufgrund von Platz- und Rechnermangel trotzdem mit verringertem Aufwand auf dem Tell weiterarbeiten. Dazu wird es wohl sogenannte Kubale-Aktionen geben.

Normalerweise wird Kubale bei der Bewegung grosser ERdmengen, die keine oder kaum Befunde erwarten lassen, wie Schuttschichten, als eine Art Akkordarbeit eingesetzt. DAzu handelt man mit den Arbeitern ein Arbeitsziel aus, und wenn dieses erreicht ist, duerfen sie Feierabend machen, werden aber den restlichen Tag noch bezahlt.

Im Ramadan wollen wir das ahenlich handhaben, so koennen sich unsere Arbeiter die Arbeit selbst einteilen, und wir muessen nicht die  gemeinen Sklaventreiber spielen.

Naechsten Donnerstag und Freitag wollen wir wahrscheinlich in einer kleineren Gruppe einen Blitzbesuch in Qatna, wo ebenfalls von Tuebingen aus gegraben wird, machen. Da es gilt, eine ziemlich grosse Strecke zu bewaeltigen, werden wir zwei volle Tage unterwegs sein, so dass ich nicht weiss, wann ich mich das naechte Mal melden kann. 

Auch ein technisches Problem habe ich: die Speicherkapazitaet sowohl des Blogs als auch der Rechner im oertlichen Internetcafe ist sehr begrenzt. Daher hat es sich als unpraktikabel erwiesen, hier Bilder online zu stellen.

Ich werde nun versuchen, ausgewaehlte Bilder in ein online-Fotoalbum zu stellen und hier einen Link dazu einzubinden, wenn ich etwas neues hinzugefuegt habe.

Das war es erstmal von mir hier im heissen, staubingen endzeitlichen Ras al-Ain.

Mehr davon, wenn wir uns wieder sehn. Ihr muesst unbedingt gucken, wies weiter geht.

29.8.08 18:09


Kurzer Nachtrag...

...Bilder koennen ab sofort unter fotos.web.de/thehippiehshake/Syrien_08 angesehen werden!
29.8.08 18:40





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung