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Ramadan hallas, alhamdidullah!!!

dem himmel sei dank, der ramadan ist vorbei.

gestern hatte ich einen ewig langen blogeintrag geschrieben, der aber einem serverausfall (danke, myblog...) zum opfer fiel.

heute habe ich ehrlich gesagt keine grosse lust, alles nochmals zu schreiben.

generell laesst sich auch zusammenfassen, dass wir mittlerweile alle sehr geraedert sind und eigentlich nur noch nach hause wollen. der grabungskoller greift um sich, alle sind runter mit den nerven.

statt hier nun also schlechte laune zu verbreiten, moechte ich euch hiermit gerne einige unserer supertollen, netten, lustigen arbeiter vorstellen. ihr koennt sie unter http://s233.photobucket.com/albums/ee30/TheHippieshake/syrien%2008/  kennenlernen. 

ich freue mich immer noch ueber feedback und hoffe, in den naechsten tagen meinen neuen text aus der reihe  syrische phaenomene und andere besonderheiten zum thema syrische schoenheitsideale aus aktuellem anlass nochmals online stellen zu koennen.

4.10.08 19:51


Ich sag zum Abschied Marsalama…

So, jetzt ist unsere Grabung endgültig rum und ich hab euch so gut wie garnichts erzählt darüber. Wir haben nun seit Anfang August durchgegraben, in zeitweise vier Teams: Das A-Team buddelte wieder am früheisenzeitlichen Tempelpalast und hatte in der zweiten Hälfte der Kampagne, nach dem Ramadan, die unglaubliche Freude, eine kleine Gruft mit einer sehr reich ausgestatteten Mädchenbestattung ausnehmen zu können. Neben unzähligen Karneol- und Fritteperlen kamen dabei auch große Mengen organischer Materialien wie Textilreste, Farbpigmente, ein Körbchen, ein Holzkästchen und Lederreste ans Tageslicht. Organische Erhaltung ist in diesen Breiten extrem selten, daher war auch die Freude und der Arbeitsaufwand sehr hoch. Dadurch wurde an der Gruft praktisch mit drei Frau Stärke zweieinhalb Wochen fast rund um die Uhr gearbeitet. Verständlicherweise lagen die Nerven der Beteiligten blank, gab es ja auch sonst noch einiges zu dokumentieren, unter anderem einen Rundbau unter dem Tempelpalast. Ich denke, uns wurde allen deutlich klar, wie zwiespältig solch ein fantastischer Befund doch ist: einerseits absolut spannend und interessant, andererseits eine unglaubliche Belastung und Arbeitsintensiv. Das B-Team, verantwortlich für die prähistorischen Schichten, buddelte mal wieder fröhlich die Eisenzeit am Halafianer Nordhang ab, erreichte aber immerhin bereits chalkolithische und halafzeitliche Bebauung in größerer Fläche. Auch dort gab es einen Toten; interersanterweise scheint es sich hierbei um einen Traditionalisten gehandelt zu haben. Die Hockerbestattung mit Halafkeramik befand sich in den chalkolithischen, späteren Schichten… Wir im C-Team, die wir uns im neuassyrischen Palast herumtrieben, haben dieses Jahr hauptsächlich Fläche gemacht und bereits bekannte Befunde verfolgt. Wenig spannend, aber dank Unmengen von Gruben arbeitsintensiv. Immerhin konnten wir einige schöne Fußbodeninventare (Wirtschaftsbereich. Galloppierend spannend.) präsentieren, und eine Terrakotta und ein Brösel Tontafel gehören zu unseren Highlightfunden. Die Arbeit unseres syrischen Partnerteams verschweige ich hier einmal einfach unverschämterweise. Vor drei Wochen traf dann Dr. Winfried Orthmann ein, der mal noch kurz zwei Areale eröffnete. In dem einen versuchte er, den Stadttempel zu lokalisieren, wobei einige Mauern und eine Wasserleitung zum Vorschein kamen, in dem anderen wurde die Stadtmauer geschnitten. Der Ramadan, in dem wir zwar immer noch arbeiteten, wenn auch mit verminderter Arbeitskraft, kostete uns doch einiges an Zeit. Er endete Ende September mit dem Id, dem Zuckerfest, dass die syrische Regierung zu unserer Freude bis zwei Tage vor offizielles Grabungsende hin auf sechs Tage verlängerte, so dass wir zwangsweise eine Woche früher als geplant die Grabung draussen einstellten. Seitdem wurde eben fleissig dokumentiert, was in acht Wochen Grabung so angefallen war. Ausserdem versuchten wir uns dieses Jahr das erste Mal an einer Rekonstruktion und bauten eine verstürzte Steintreppe in unserem spätbabylonischen Hof wieder auf. Diesen Donnerstag war dann endgültig Schluss für auch die letzten bei uns beschäftigten Arbeitern, die alle sehr traurig waren darüber. Der Abschluss wurde standesgemäß nach der Auszahlung mit einer Hafla gefeiert, einer Art sehr beschleunigte Party, die etwa eine halbe Stunde dauert, in der man Unmengen zuckersüße Limonade, Gazoz und Baklava konsumiert sowie Dabka tanzt. Das ist ein hier populärer Reihentanz, der körperlichen Kontakt zwischen den Geschlechtern ermöglicht, und bei dem verschiedene Körperteile unabhängig voneinander und gegen den Takt in Zuckungen versetzt werden müssen. Sehr anstrengend. Natürlich wurden auch wir wieder zum Tanzen genötigt. Nachmittags wurde es dann noch anstrengender: Das Kampagnen-Fußballspiel mit unseren Arbeitern stand an. Wir hatten alle viel Spaß und ich kann mit Stolz behaupten, immerhin eine viertel Stunde auf dem Platz ausgeharrt zu haben und dieses Jahr auch nicht ausgelacht worden zu sein, auch wenn ich keinen einzigen Ballkontakt hatte. Aber ich habe immerhin einen der Stürmerstars des A-Teams, Fahat, einige Male von Ballkontakten abgehalten. Hat das A-Team aber auch nicht davon abgehalten, uns beim Elfmeterschiessen abzuzocken. Nun sind endgültig die letzten unserer Tage hier angebrochen und es wird fleissig enddokumentiert und gepackt, soweit der Strom nicht wieder ausgefallen ist, wie jetzt gerade. Mittwoch früh brechen wir gen Aleppo auf und übernachten dort einmal. Donnerstag früh werde ich dann mit Luise noch zu einem Kurztrip durch Westsyrien aufbrechen. Von diesem Trip werde ich dann hoffentlich entweder aus Damaskus oder nach meinem Heimflug am 21. von zuhause aus berichten. Im Uebrigen gibt es auch wieder tolle neue Bilder auf der bekannten Adresse zu sehen, von unserer Tell-Party und dem Fussballspiel!
12.10.08 18:37





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