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Smell the Tell...


Und wieder ist eine Woche rum.

Und diesesmal gibt es auch mehr zu erzaehlen.

Inzwischen hab ich mich ein wenig abgeregt, der Alltag ist wieder eingekehrt. Daher kann ich jetzt auch berichten, was mich letzte Woche so auf die Palme gebracht hatte.

Wir haben dieses Jahr eine Studentin, die sich vorn und hinten an keine Regel dieses Landes halten moechte, obwohl sie es hier ja sooooo toll findet. Ich denke, sie hat ein wenig zuviel Tausendundeine Nacht gelesen...

Urspruenglich wohnte die Dame bei uns im Studentenhaus. Dieses liegt in einem sozial eher schwachen Viertel, weswegen wir dort bereits letztes Jahr ein wenig Probleme mit den Anwohnern hatten, es kam zu diversen Belaestigungsfaellen.  Daher wollten wir gerne jegliche Art von inkorrektem Verhalten unserererseits unterbinden. Trotz mehrmaliger Aufforderung war besagte Dame allerdings beratungsresistent. Sie lief in Unterwaesche durch den Hof, der von den umliegenden Daechern einsehbar ist, sprach auf der Strasse mit fremden Maennern und aehnliches. Das fuehrte unter andere, dazu, dass staendig Maenner bei uns klingelten und nach ihr fragten und dass es auch wieder zu Begrapschungen einger Maedels auf offener Strasse kam. Nach anderthalb Wochen reagierten unsere Grabungsleiter darauf, indem sie sie ins Kuechenhaus, in dem sie selbst wohnen, umquartierten. Zu dieser Zeit war ich gerade krank und bekam daher von der ganzen Aktion wenig mit, allerdings wurde ich von der Gnaedigen fuer ihren Umzug verantwortlich gemacht, und sie begann, schlecht Wetter gegen mich zu machen. Und zwar nicht nur unter den Teammitgliedern, sondern auch unter unseren Arbeitern. Sie ist naemlich auch Teil unseres C-Teams auf dem Tell gewesen.

Doch auch dort tat sie sich nicht gerade positiv hervor. Sie arbeitete nicht, stattdessen legte sie die komplette Arbeit der ihr unterstellten Schnitte lahm, indem sie die zumeist jungen, maennlichen Arbeiter lieber umterhielt. Das sah so aus: Sie trug grundsaetzlich sehr offenherzige Kleidung, Spaghettitraeger, Hosen, die kurz unter dem Knie endeten, durchsichtige Kleidung, deutlich sichtbare Unterwaesche, knalleng. DAzu war sie immer stark geschminkt und parfuemiert. Einige unserer Jungs wurden grundsaetzlich von ihr mit Habibi, Liebling, angesprochen, und staendig flirtete sie mit ihnen, begrapschte sie, tanzte ihnen Bauchtanz vor, sang mit ihnen Liebeslieder. Brigitte, mit der sie eigentlich zusammenarbeiten sollte, war zu diesem Zeitpunkt krank, so dass alle Dokuarbeit an Katharina und mir haengenblieb. Zudem begann sie dann, einen der Jungs, Abud, staendig vor den anderen hervorzuheben und ihn zu bevorzugen. Sie fuetterte ihn mit Schokolade und brachte ihm kleine Geschenke. 

Abuds Schwestern und Cousinen, die auch bei uns arbeiten, und selbst sein Kumpel Chalil, der dieses Jahr leider im syrischen Team arbeitet, kamen zu mir, um mich zu warnen. Sie fragten mich, ob die Dame denn spinnen wuerde, und warnten, dass der syrische Geheimdienst ein Auge auf die beiden haette, und dass das boese Folgen fuer Abud haben koennte.

Schliesslich sahen Brigitte und ich uns gezwungen, zu intervenieren. Wir machten Stunk bei unserem Chef und sprachen auch mit dessen Frau Gabi, die dann schliesslich, nachdem sie sich bei der ersten Auszahlung der Arbeiter, die jeden zweiten Donnerstag auf dem Tell von ihr vorgenommen wird, selbst ein Bild vom Benehmen unserer (Nicht-)Mitarbeiterin machen konnte. 

Schlussendlich  wurde sie schliesslich aus unserem Team abgezogen und tauschte mit Anna den Platz, die bis dahin Keramik kodierte. Nun arbeitet sie in unserer Mistauda, einer Art Schuppen, in der die Keramik vom Tell gewaschen und codiert wird.

So ganz ist die Geschichte jedoch nicht gegessen: Besonders Abud, aber auch einige andere der Jungs unseres Teams nutzen jede Moeglichkeit, in die Mistauda zu entwischen, und besonders das Geschaekere mit Abud hat sich inzwischen zu einer leicht tragischen Romeo-und-Julia-Geschichte entwickelt.

Soviel dazu.

Natuerlich geht auch sonst das Leben weiter.

LEtzten Freitag machten wir unseren ersten Ausflug ueber die tuerkische Grenze zur Verlaengerung unseres Visums. Dieses Mal beschraenkten wir uns nicht nur auf ein gutes Mittagsessen und Efes-Besorgungen, sondern besichtigten zudem eine tuerkische Grabung in Nusaybin in einer byzantinischen Kirche.

Als wir wieder nach Syrien einreisen wollten, kamen wir fast nicht mehr ueber die Grenze, da es einen Computerausfall gegeben hatte (auf tuerkischer Seite, die syrischen Beamten haben nur bessere Schreibmaschinen), so dass wir beinahe in der Tuerkei uebernachten muessen haetten. Die Trauer haette sich in Grenzen gehalten.

Sonntag mussten wir die Arbeiten aufgrund von schlechtem Wetter abbrechen. Schon seit Tagen herrschte starker Wind, der sich Sonntag Morgen zu einem ausgewachsenen Sandsturm entwickelte. Mir brockte die Sache neben einem freien Vormittag auch eine Bindehautentzuendung ein. 

Auf der Grabung geht es mittlerweile gut vorwaerts. In vier unserer Schnitte haben wir bereits den Abschluss erreicht. Das heisst, wir haben die Schichten, die wir erreichen wollten, bereits ergraben und die Befunde, Mauern und Fussboeden sowie die Vortsetzung einer Treppe und eines Steinweges, praepariert. 

Auch die Fundlage ist guenstig. In Brigittes Schnitten kamen bisher drei spaetantike Graeber ans Tageslicht, die neben reichhaltigem Perlenschmuck auch zwei Siegelringe und zwei Skarabaen mit Pseudo-Hyroglyphen enthielten. Auch in unseren Schnitten fand sich eine Bestattung mit einer kleinen Votivfrauenfigur.

Gestern fand sich zudem in einer Grube eine Terrakotta-Figurine mit antiken Bruechen, die eine intentionelle Zerstoerung und Deponierung nahelegen.

Heute waren wir nun auf einem kurzem Besuch in Tell Chuera. Ich habe mich allerdings bei der Tellfuehrung enthalten und lieber eine Runde mit meiner Kollegin vom letzten Jahr, Olesia, geplaudert.

Die naechsten drei Tage wird der Ramadan beginnen. Wie wir dann weiterarbeiten werden, ist noch nicht ganz geklaert. Der Ramadan dauert einen Mondmonat, danach wollen wir noch eine Woche graben. Im Ramadan wird hauptsaechlich dokumentiert werden, wir wollen aber aufgrund von Platz- und Rechnermangel trotzdem mit verringertem Aufwand auf dem Tell weiterarbeiten. Dazu wird es wohl sogenannte Kubale-Aktionen geben.

Normalerweise wird Kubale bei der Bewegung grosser ERdmengen, die keine oder kaum Befunde erwarten lassen, wie Schuttschichten, als eine Art Akkordarbeit eingesetzt. DAzu handelt man mit den Arbeitern ein Arbeitsziel aus, und wenn dieses erreicht ist, duerfen sie Feierabend machen, werden aber den restlichen Tag noch bezahlt.

Im Ramadan wollen wir das ahenlich handhaben, so koennen sich unsere Arbeiter die Arbeit selbst einteilen, und wir muessen nicht die  gemeinen Sklaventreiber spielen.

Naechsten Donnerstag und Freitag wollen wir wahrscheinlich in einer kleineren Gruppe einen Blitzbesuch in Qatna, wo ebenfalls von Tuebingen aus gegraben wird, machen. Da es gilt, eine ziemlich grosse Strecke zu bewaeltigen, werden wir zwei volle Tage unterwegs sein, so dass ich nicht weiss, wann ich mich das naechte Mal melden kann. 

Auch ein technisches Problem habe ich: die Speicherkapazitaet sowohl des Blogs als auch der Rechner im oertlichen Internetcafe ist sehr begrenzt. Daher hat es sich als unpraktikabel erwiesen, hier Bilder online zu stellen.

Ich werde nun versuchen, ausgewaehlte Bilder in ein online-Fotoalbum zu stellen und hier einen Link dazu einzubinden, wenn ich etwas neues hinzugefuegt habe.

Das war es erstmal von mir hier im heissen, staubingen endzeitlichen Ras al-Ain.

Mehr davon, wenn wir uns wieder sehn. Ihr muesst unbedingt gucken, wies weiter geht.

29.8.08 18:09
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Luzi (1.9.08 14:44)
Meine Fresse, armes Nicilein! Ist die besagte Mitarbeiterin denn nicht schon im Vorfeld zumindest über den Dresscode aufgeklärt worden? Was für'n Streß!
War selber 3 Wochen in Gerhausen. Da herrschte eine sooo tolle Stimmung, das gab's echt noch nie. Wohnen diesmal mit den HohleFelsLeuten zusammen im ehemaligen Altenheim "Spital zum Heiligen Geist" in Blaubeuren. Die HohleFelsLeute waren abends nicht so relaxed wie wir (Grund: MSi fühlt sich als


Luzi (1.9.08 14:49)
(Öha, falsche Taste)

(Grund: MSi fühlt sich als 2. Chef in der Höhle, streßt und nervt alle).
Bin jetzt erstmal wieder in Silent Hill und arbeite meine üblichen Schichten im Wunderland ab *gähn*.

Hab vor 2 Wochen mit Netti die Cuxhavener übers Wochenende besucht.

Kuck einfach mal in mein studivz-Fotoalbum.

Machs gut, Süße und TSCHACKAAAAAAAAAA!!!!!

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